Traum(a) - II



Hamburg
24. Juli 1943
17:06 Uhr

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Unten knallt eine Tür.
Gepolter, wie von kleinen Füßen auf den Dielenboden. Jetzt gepolter auf der Treppe.
Ich sehe die Offiziere aufspringen, nach ihren Waffen greifen.


Verdammte Idioten!
Ein heißer Schreck fährt mir durch die Glieder.


Beinahe im gleichen Moment springe auch ich auf, wütend will ich ihnen befehlen die Waffen weckzustecken und sich zusammenzureißen…

Nichts dergleichen kommt über meine Lippen.
Stattdessen verlässt plötzlich ein tiefes, tierähnliches Fauchen meine Kehle.
Eines der Gläser auf dem Tisch bekommt plötzlich einen Sprung.


Sofort ist es totenstill im Raum. Die Offiziere starren mich erschrocken an.
Ich selbst kann mich für den Moment nicht entscheiden ob ich Zufrieden oder geschockt sein soll.


"Woha! Papa!" Schallt es plötzlich von der Tür.


Ich fahre herum, Hannes, mein kleiner, frecher Hannes steht in der Tür. Seine Augen strahlen, er ist ganz offensichtlich begeistert von dem was er eben gesehen hatte. Mein kleiner Junge… trotz seiner sieben Jahre… er war verdammt furchtlos.


Ich fange an zu lachen, breite die arme aus. Mein Junge rennt auf mich zu, reißt mich fast von den Füßen als er mir um den Hals fällt. Wie sehr habe ich das vermisst…
Kommt es mir nur so vor, oder ist er gewachsen seit ich sie verlassen habe…?


Wir lachen, drehen uns im Kreis. Dabei reißen wir fast die restlichen Gläser vom Tisch.


"Endlich bist du zu Hause! Wo warst du? Warum warst du so lange weg? Mama hat geweint wegen dir! Das war ganz schön gemein!" Er zieht eine Schnute. Ich schaue in seine strahlenden blauen Augen… nun ja… nun grau für mich.
Farbenblindheit… auch das geht vorbei , sagen sie. Ich weiß es wieder besser…


Stille füllt den Raum. Wieder bin ich sprachlos. So wie bei Hannah einige Stunden zuvor. Ein leises Geräusch von der Tür. Ich blicke mich um. Ein kleines, blasses Gesichtchen schaut mit großen Augen eben am Türrahmen vorbei. Meine jüngste… mein kleines Töchterlein…


"Mariechen…" flüstere ich.


Plötzlich werden ihre Augen noch größer. Sie dreht sich herum, drückt sich an das Bein ihrer Mutter, die hinter ihr steht.


"Mariechen, ich bin‘s, Papa…" ich mache ein paar Schritte auf sie zu.


Sie dreht sich kurz um…. Gibt einen wimmernden Laut von sich, drückt sich an Hannah vorbei und rennt davon.


Meine frau blickt mich kurz an, ein undefinierbarer blick… dann rennt sie unserer kleinen hinterher.


Ich fühle mich gelähmt. Als hätte man mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Mir wird plötzlich schlecht, und auch Hannes kann ich nicht länger halten. Ich schaffe es gerade noch zurück in den Sessel.


Die Offiziere stehen wieder betreten herum, wissen nichts zu sagen.


Besser so. Meine kleine Tochter, mein kleiner Engel… sie hatte Angst vor mir. Angst vor ihrem eigenen Vater. Angst vor dem was aus ihm geworden war… was sie aus ihm gemacht hatten.
Ich wage nicht einmal zu ihnen herüber zu schauen. Ich würde mich wahrscheinlich auf sie stürzen… sie mit bloßen Händen töten.


"Mach dir nichts draus Papa… Marie ist ein Angsthase. Die weint auch immer wenn wir im Bunker sind."


Ich schaue meinen Jungen an. Kann mich gerade noch zu einem Lächeln durchringen.
Bunker…
Bis jetzt hatten sie noch Glück gehabt. Hamburg wurde schon einige male von Bomben getroffen, doch dieses Viertel war bis jetzt weitgehend verschont geblieben.


Sie hätten die Stadt längst verlassen sollen. Ich werde später noch einmal mit Hannah darüber sprechen.


Es wird zu gefährlich hier.


Ich hätte das schon viel früher veranlassen sollen…


Verfluchter Krieg.


Hannes springt von meinem Schoß, beginnt an meinem Arm zu zerren.


"Los Papa! Lass uns raus! Spielen! Ist so schönes Wetter draußen, die Sonne scheint und hier drinnen ist es langweilig und dunkel…"


Ich muss wieder lächeln, schüttle aber den Kopf.


"Ich kann nicht raus weißt du..?"


Ein kurzer Blick zu den Offizieren.


"Das ist nicht gut für meine Augen, ich muss im Haus bleiben."


Er schaut mich fragend an. "Warum? Bist du krank?"


Ich beiße mir kurz auf die Zunge.
Wie erkläre ich einem siebenjährigen, was ich selbst kaum verstehe?


"Das ist wie bei einem Sonnenbrand weißt du?"


Irgendwie scheint ihm diese Erklärung zu genügen. Sein Gesicht verfinstert sich vor Enttäuschung. Doch plötzlich hellt es sich wieder auf.


"Dann mach noch ein paar Gläser kaputt, ja?"


Ich kann nicht anders.
Ich muss lachen.


Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht…


Hamburg
24th July 1943
5:06 PM

____

A door slams downstairs.
Banging noises, like small feet hit the floorboard. Now there are banging noises on the stairs.
I see the officers jumping up, pull their guns.


Goddamn idiots!
I am alarmed.


Nearly at the very same moment I jump up as well, angrily I want to give them the order to put their weapons back, to pull themselves together…

Nothing like this crosses my lips.
Instead of this a deep, animal-like growling noise escaped my throat.
One of the glasses on the table suddenly gets a crack.


It gets deadly silent immediately. The officers stare at me, obviously shocked.
I can’t decide for the moment… should I be shocked as well, or satisfied?


"Woha! Papa!" it suddenly sounds from next to the door.


I turn around, Hannes, my little, daring Hannes stands there. His eyes shine, he obviously enjoyed what he just saw. My little boy… in spite of his just seven years… he is quite brave…



I start to laugh, spread out my arms. My boy runs towards me, nearly knocks me over, when he throws his arms around my neck. How much I missed this…
Is it just me, or did he grew while I wasn’t here…?



We laugh, we go round in circles. And we nearly hit down the glasses…


"Finally you are home! Where have you been? Why have you been away that long? Mama cried because of you! That was mean of you!" He pouts. I look into his bright blue eyes… well.. now they are grey for me. Colorblindness… this will vanish as well, they said. Again, I know it better…



Silence fills the room. Again, I am speechless. Like I was with Hannah a few hours before. A gentle noise from the door. I look around. A small, pale face looks over out of big eyes. My youngest child… my little daughter…



"Marie..." I whisper.


Suddenly her eyes grow even bigger. She turns around, nuzzles against the leg of her mother, who stands behind her.


"Marie, it’s me, Papa…" I make a few steps in her direction.


She turns around quickly… makes a whimpering sound, she pushes herself past Hannah and runs away.


My wife looks a me… I can’t read this look. She turns around and runs after our little girl.


I feel numb. Like someone punched me in my face. I suddenly feel sick, I can’t hold Hannes any longer. I just make it to the armchair and sit down.



The officers stand around, again embarrassed, again they don’t know what to say.

It’s better that way. My little daughter, my little angel… she is afraid of me. She is afraid of her own father. She is afraid of what they have turned him into. I don’t even dare to look towards them. I would probably charge at them… kill them with my bare hands.



"Never mind, Papa… Marie is a scaredy-cat. She always cries when we are down in the bunker."


I looked at my little boy. I was barely able to smile.
Bunker…
They were lucky, till now. Hamburg was hit by bombs a few times now but this part of the city escaped it somehow… till now.




They should have leave the city long ago. I will talk to this to Hannah later on.


It’s getting too dangerous here.


I should have cared for this earlier.


Damn war.


Hannes jumps off my lap, starts to pull my arm.



"Come on Papa! Let’s go outside! Let’s play! It’s nice weather outside, the sun I shining and here it’s boring and dark…"


I have to smile again, but I shake my head.


"I can’t go outside, you know?"


A short look at the officers.


"It’s not good for my eyes, I have to stay inside."


He looks at me questioning. "Why? Are you ill?"


I bite my tongue.
How should I explain something to a seven-year-old, I can’t barely understand myself?


"That’s a bit like having a sunburn, you know?"


For some reasons this explanation seems to be enough for him. His face darkens with disappointment. But suddenly it brightens up again.


"Then smash a few more glasses, okay?"


I can’t help it.
I start to laugh.


I haven’t laughed like this for a long time…







GingerNut's picture

Oh my God I love this... It

Oh my God I love this... It adds so much depth. Can't wait to read more :3
ocean's picture

-curious- I shall be watching

-curious-
I shall be watching for these, yes. o:

The world is quiet here.
Happy Spring!

I am loveing these

I am loveing these <3

thanks you three

thanks you three <3


I am glad you enjoyed it... ^^


edit: it feels wrong, but i bump this anyways. 'cause i am proud of this series.
Melusine's picture

o: Interesting. (p.s I

o: Interesting.
(p.s I translated the german side, you'll be surprised how different it comes out when google tries to translate LOL )

thanks :D ... and yaaaa

thanks :D

... and yaaaa that's the reason why i don't use translators...

''I catch it in the fly, they say that may go target" -- my favourite fail-translator-sentences so far xDD